Buchvorstellung „Kritische Philosophiegeschichte“
„Westliche Werte“ sind wieder in aller Munde: Freiheit, Gleichheit, Universalismus. Doch nicht erst mit den „Black Lives Matter“-Protesten 2020, die sich von den USA auch nach Europa und Deutschland ausbreiteten, ist klar: So weit her, wie ihre Verteidiger es wollen, ist es mit diesen freilich nicht. Wo sie Universalismus predigen, praktizieren sie Partikularismus. Misogyne und rassistische Strukturen sind überall in unserer Gesellschaft spürbar und werden vielerorts noch verhärtet.
Das ist auch ein Problem für die Philosophie: Die wichtigsten Apostel westlicher Freiheitslehren profitierten selbst vom transatlantischen Sklavenhandel. Kant und Hegel, die den deutschen Universalismus-Gedanken vollendeten, zeigten sich in ihren anthropologischen Schriften als glühende Rassisten. Doch ist die Antwort darauf, die Ideale von Freiheit, Gleichheit und Universalismus aufzugeben? Oder ist sie vielmehr sie zu radikalisieren, ihre Verfechter beim Wort zu nehmen und sie durch ihr eigenes, gebrochenes Versprechen hindurch zu kritisieren?
Darüber, wie die Philosophiegeschichte dazu beitragen kann, dieses gebrochene Versprechen doch noch einzulösen, diskutieren Till Hahn, Roberto Nigro und Charlotte Nora Szász; in ihrem Band Kritische Philosophiegeschichte haben sie diese als kritische Praxis entworfen.
Die Herausgeber*innen / Rosa-Luxemburg-Stiftung Hamburg.
Die Veranstaltung ist kostenfrei, Anmeldung erbeten: tillhahn@outlook.de
